Richard Fischer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

Schneider-Kreuznach´s APO-DIGITAR 5,6/120mm
Ein Testbericht vom Stillifer-Fotografen Richard Fischer, BFF/BBK

 

 

 

Jeder Berufsfotograf wird sich früher oder später mit der professionellen Digitalfotografie auseinandersetzen. Bei mir (wie wohl bei vielen) kam das eher später. Lange habe ich mich gegen diese Entwicklung gewehrt. Alles Bewährte wird plötzlich in Frage gestellt. Erfahrungen, jahrelang gesammelt, sind plötzlich nicht mehr relevant. Alles über den Haufen geworfen; so meint man.

Bis man einmal wagt, es einfach auszuprobieren. Meist angespornt durch ein Seminar, an dem man sporadisch (aus reiner Neugier, versteht sich) teilnimmt. Und dann steht sie da. Die "kleine" professionelle Großbildkamera. An einem Mac angeschlossen. Einiges an Kabel läuft da weg vom Objektiv, rüber zum „Brain“, zur Arbeitsstation, zum Computer. Ein scheuer, unsicherer Blick auf diese neue Ausrüstung, ein Herumschleichen um die neue Technik. Hinten, ganz klar : das digitale Rückteil, die Eyelike von Jenoptik. Vorne aber, was hat sich da getan ? Ist das alles noch so wie man es kennt ? Dann fällt der Blick auf das Auge der Anlage : das Objektiv ! Aber wo ist denn mein gewohntes Auslösekabel geblieben ?

Tja, ein wenig muß man schon umlernen. Auslösen tut man jetzt mit der Maus. So geht das also. Schauen wir uns halt mal an, wie das Ganze funktioniert. Nach einigen Demonstrationen an dem Set wird einem langsam klar, was das für eine enorme Zeitersparnis bedeutet. Ich habe ausgerechnet, das ich allein ca.10.000 km. pro Jahr Laborfahrten spare. Was das an Fahrtkosten und -zeit bedeutet !
Habe ich erst mein neues System aufeinander abgestimmt, mich eingesch(l)ossen, ist die Arbeitserleichterung immens ! Entscheidend jedoch ist die Abstimmung aller Elemente aufeinander. Dabei habe ich festgestellt, daß das Objektiv, mit dem ich arbeite, entscheidend ist, will ich meine gewohnte Qualität beibehalten. Habe ich als Stilllifer früher mit Großbildobjektiven von Schneider-Kreuznach beste Erfahrungen sammeln können, schaue ich mir doch an, wie sie in den digitalen Welten damit zurechtkommen. Zeichnen die Objektive genauso scharf, vergleichbar wie die der bewährten, analogen Schiene ?

Das habe ich mit einer diffizilen fotografischen Serie von bedrohten Blumen und Blüten eingehend getestet. Bei dieser Fotoserie kam es darauf an, schnell beste Ergebnisse zu erzielen. Langwierige Tests sind nicht möglich. Lebendige, bedrohte Blumen sind nicht einfach ersetzbar. Meist gibt es nur ein einziges Exemplar, das zur Fotografie zur Verfügung steht. Hier muß schnell, sauber und perfekt gearbeitet werden.


Bei dieser Serie bin ich bis in die Makrofotografie vorgedrungen, gab mir das Apo-Digitar 5,6/120 M von Schneider-Kreuznach Anlaß, es genauestens „zu durchleuchten“. In allen Bereichen der angegebenen Entfernungsparameter (von Tabletop bis 1:3 Abbildungen) zeichnet sich dieses Objektiv als ausgezeichnetes Arbeitspferd aus. Als feinblättrige Details einzelner Blüten, Stollen, Stempel anvisiert sind, ich meinen Scheinpflug eingerichtet habe, fangen die seltenen Exemplare bereits zu welken an ! Das Studiolicht ist ob der dimmbaren Einstelllichter und eingebauter Ventilatoren einfach zu warm. Selbst das auf niedrigere Temperatur gekühlte Fotostudio hilft da nicht. Meine exotischen, seltenen Blumen Models sind einfach zu empfindlich.

Jetzt muß alles ganz schnell gehen. Bevor die Blume Ihren Geist aufgibt, muß das Foto perfekt, scharf, brillant ausgeleuchtet, aufgehellt, komponiert und fotografiert sein. Da muß ich mich auf das Objektiv verlassen können. (Das ist übrigens in der Foodfotografie ähnlich). Glücklicherweise sehe ich das Foto sofort. Auf meinem Fogra verbindlichen Monitor sehe ich jede Unschärfe, zu diffus oder zu hart gesetztes Licht und schlechte Bildkomposition umgehend. Dieses Objektiv ist verlässlich und gibt sauber alle Details wieder. Keine Aberrationen, Farben werden (setzt natürlich regelmäßig kallibrierten Schirm voraus) realistisch dargestellt. Randschärfen optimiert moduliert das Apo-Digitar jedes Detail klar und scharf, auch mit vorhandenem, seit 20 Jahren im Einsatz befindliches Licht, unglaublich neutral und plastisch, selbst in den Grenzbereichen der Verstellmöglichkeiten. Bei solch präziser Wiedergabe kann ich mir einfach keinen Fehler leisten. Hier werde ich als Fotograf gefordert, all mein technisches Know How einzusetzen. Und dennoch habe ich nicht das Gefühl, meine Kreativität würde etwa dadurch eingeschränkt, keineswegs. Im Gegenteil, die Präzision beflügelt, macht den Kopf, gibt den Weg für neue Perspektiven frei.

Wenn man sich dieses Objektiv einmal anschaut, fragt man sich, wie ist das bloß möglich ? Ist der Durchmesser des Objektivs gerade mal etwas größer als ein 2 Euro Stück ! Entspechend ist auch das Gewicht unerheblich. Für meine 
6 x 9 Plaubel Fachkamera genial gelöst. Leicht umgänglich, kein "olberes Gefährt", daher auch gut bedien- und einstellbar. Mit dem vollelektronischen Verschluss, gesteuert werden Blende, Zeit und Auslöser mit der Maus, komme ich gar nicht mehr dazu, versehentlich die aufwendige Vergütung mit meinen, vom Umgang mit lebenden Pflanzen beschmutzten Fingern, zu berühren.

Arbeite ich doch für die kritischsten aller Kunden in den visualisierenden Welten : Druckfarben - und Druckmaschinen Hersteller, Lithoanstalten, großformatige Kalender Verleger, Konzerne mit weltweit (Made in Germany) vertriebenen Produkten. Materialien wie strukturiertes Metall, blasse, gerauhte Kunststoffe aller Art, hochglänzende lackierte weiße Flächen, selbst in kritischen Spielfeldern wie High Key (weiß auf weiß in der Druckdarstellung); überall zeichnet das Apo-Digitar exzellent durch, und das verläßlich und konstant. Meine Schneider Optik ist mittlerweile das digitale Standard Objektiv geworden. Leistet es mir robust und präzise jeden Tag treue Dienste.

  Richard Fischer, BFF/BBK


Zur Person

1951 geboren als Enkel eines Architekten (Bauten in Deutschland, China, Philippinen) und als Sohn eines Ingenieurs in Manila. Internationale Schule De La Salle in Manila. Umzug 1963 nach Europa. Ausbildung an Wirtschaftsfachschulen und Studium an der Fachhochschule Gestaltung in Mannheim und der Akademie für Fotografie in München. 1978 erstes eigenes Fotostudio in Hamburg. Mitglied im Bund Freischaffender Fotodesigner (BFF) und Bundesverband Bildender Künstler (BBK). Diverse Großprojekte, Ausstellungen und Auszeichnungen.